Mapping


retour/back  Version imprimable de cet article Imprimer / Print

Die Form des Mapping
Schema, Diagramm, Grafik, Plan als komplexe Vereinfachungen


Julia Kläring
dt./engl.

12.06.2008

Der Begriff des Mapping ist dem englischen Wort Map entlehnt, welches mit Plan, Karte oder Abbildung übersetzt werden kann und deren schematische Darstellungsweise übernimmt. Die in Folge dargestellten Beispiele sind ein kleiner Ausschnitt aus der Welt der Mappings und zielen nicht auf Vollständigkeit ab. Der Text soll vielmehr verdeutlichen, wie wir uns die Form des Mapping als Werkzeug angeeignet haben.

Quer durch die Kunstgeschichte hindurch sind Mappings zu finden um komplexe Zusammenhänge zu veranschaulichen. Trotz ihres Zwecks zu vereinfachen, sind darunter jedoch ausgefeilte Formen zu finden, die bei genauer Betrachtung viele Ebenen der Reflexion eröffnen. Bereits in der mittelalterlichen Kunst Europas sind schematische Darstellungen bekannt um eine kirchliche Weltanschauung darzustellen.

Ein bekanntes Beispiel der Modernen Kunst ist das Schema, das von Alfred H. Barr jr., Kurator des Museum of Modern Art, New York, 1936 auf dem Cover des Ausstellungskatalog „Cubism and Abstract Art“ veröffentlicht wurde, und welches die Entwicklungen und Zusammenhänge der großen „-Ismen“ der modernen Kunst darstellt . Einzelne Begriffe und geometrische Formen wie Halbkreise, Rechtecke und Pfeile beschreiben die multiplen Einflüsse der Stilrichtungen auf die jeweils nachfolgenden künstlerischen Ausdrucksformen und die vielfachen Verzweigungen in diesen Entwicklungen.

Guitemie Maldonado, die Barrs Darstellung beschreibt, greift auch eine dreiteilige Serie von Grafiken Ad Reinhardts auf, der explizit die beliebte baumförmige Darstellung von sich mit der Zeit verzweigenden Entwicklungen benutzt . Oftmals werden Formen aus der Natur entlehnt um nicht-lineare, multiple Beziehungen darzustellen.

Herausragend ist in Maldonados Artikel auch die Grafik von Charles Jencks , der die moderne Architektur betrachtet und einen erstaunlich realitätsnahen Blick in die Zukunft wirft, die aus dem Aufbau seines Schemas hervorgeht.

Ein bekanntes zeitgenössisches Beispiel die Methode des Mapping als künstlerische Arbeitsweise anzuwenden, geben bureaud’études. Systeme von Macht, Wissen, Kommunikation, politischem und militärischem Einfluss und andere Ergebnisse der Recherchen dieser Gruppe werden in Form von Organigrammen (Organisationsplänen) abgebildet und stehen als Poster zum Download zur Verfügung.

Eine weitere künstlerische Anordnung, das sich der Form des Mapping und der politischen Stellungnahme annimmt ist das Projekt „MigMap – Governing Migration, eine virtuelle Kartografie der Europäischen Migrationspolitik“, das aus einer transdisziplinären Zusammenarbeit entstanden ist.. Neue Technologien geben auch dieser Form neue Gestalt, so sind die Mappings hier animiert und besitzen dadurch zusätzliche Komplexität. Ein Artikel von Peter Spillmann auf eipcp.net (dt.) gibt detailliert über das Projekt Auskunft.

In unseren Diskussionen hat sich das Mapping als Methodologie als hilfreich und signifikant erwiesen. Nicht-lineare, vielschichtige Phänomene konnten wir durch verschiedene Skizzen visualisieren und die vielfachen Verbindungen darstellen. Auch wenn jedes Mapping die Inhalte simplifiziert stellten sich so oft die Schlüsselbegriffe und „Gelenke“ unserer Auseinandersetzung heraus. In der Form ihrer Darstellung und in den detaillierteren Diskussionen um ihre Inhalte wurden die einzelnen Begriffe anschaulich und dadurch umso prägnanter. So fand das Mapping schliesslich auch Eingang in unsere Ausstellung, als Darstellung unserer Annäherung an „eine Hypothese für eine Geschichte“ (fr.), die in einem, die Ausstellung begleitenden Video betrachtet werden kann.

ENGLISH VERSION

THE FORM OF MAPPING
Schema, diagram, graphic, map as complex simplifications

The notion of Mapping is deduced from the word map and adopts its schematically manner of representation. Without to be aimed to be exhaustive, this text offers a small extract out of the world of mappings, and our use of it as tool of work.

Across art history mappings can be found repeatedly to illustrate complex correlations. Though their aim to simplify, elaborated forms can be found among them, which on closer examination open multiple layers of reflection. Already medieval European art knew schematic representations to allegorize an ecclesiastic world-view.

A well known example of Modern Art is the graphic published by Alfred J. Barr jr., curator at the Museum of Modern Art, New York, in 1936 on the cover of the exhibition catalogue “Cubism and Abstract Art”. It illustrates the development and the interconnections of the important “-isms” of modern art . Single notions and geometrical forms like semicircles, rectangles and arrows describe the multiple influences of stylistic forms of expression and the numerous branching of these developments.

Guitemie Maldonado, who explains Barr’s scheme, further deals with a three-part graphic by Ad Reinhardt . He explicitly used the well-liked dendriform structure with its developments, branching with the time. Often forms from a nature vocabulary are borrowed to illustrate non-linear, multiple relations.

Another outstanding example in Maldonado’s text consists of a graphic of Charles Jencks , who examines modern architecture and out of the body of his scheme glances at the future astonishingly close to reality.

A well known example of contemporary use of mappings as artistic practice is given by bureaud’études. Systems of power, knowledge, communication, political and military influences as well as other research results of the group are mapped in form of organigrams (organization plans) and are available for download and print in poster formats on their website.

Another artistic disposal, which employs the form of mapping as a strong political statement and was developed out of a transdisciplinary cooperation, can be found in the project „“MigMap – Governing Migration, a virtual cartography of European Migration Politics”. New technologies give new shapes to this form, so these mappings are animated, offer various layers, and therefore have an additional complexity. An article (german) by Peter Spillmann on eipcp.net gives detailed information on this project.

Further texts and projects on data visualization can be found on http://www.medienkunstnetz.de (german and english).

In our discussions the form of mapping as methodology turned out to be helpful and significant. Non-linear, multi-layered phenomena could be visualized with sketches and various interrelations could be interpreted. Even if every mapping presents a simplified picture, the key words and “articulations” of our project often emerged out of this kind of examinations. In the way of its visualization and in the more detailed discussions of their contents single notions got more vivid, clearer and more striking. So the form of mapping found its way in our project and finally in our exhibition space, as illustration of our approach to “hypothesis for a hi/story” (fr.), which can be seen in one of the videos presented in the exhibition.

Related article : Mapping (Frida Carazzato (fr./it.)

Links :
Mnemosyne-Atlas
Mapping und Text
Das Archiv, die Medien die Karte und der Text